ungesund photographie | lucas garte

wirkungsprovokation.

Serie: Roadtrip Belgien

Kilometer 1508: Gent, Tag 1

Gent, ibis-Hotel. Nach Irrfahrt in der Gegend und Genter Verkehrskatastrophen. Nicht die „teueren“, sondern das „billige“ – für 100,80 die Nacht. Mit Parkplatz in der Tiefgarage, dafür im Mülleimer den Müll vom vorherigen Gast, ohne Seife – das sei hier aber üblich, in diese, Hotel, sagte man an der Rezeption – und mit einem Fernseher, den man vom Bett aus kaum sehen kann. Das stört mich als konsequenter nicht-Nutzer zwar nicht, aber reiht sich in diese eher negative Erfahrung ein. Immerhin mit Klimaanlage, aber ohne Strom, wenn man nicht im Raum ist – Kamera laden und auf die Feste gehen ist also nicht drin. Kein Schrank, kein richtiger Tisch, nur zwei Plastikhocker – das ist ja alles in Ordnung, aber für 100,80 nicht das, was man erwarten kann, finde ich. Gute Lage hin oder her. Dabei schaue ich meinetwegen auch darüber hinweg, dass ich mir einen absolut leistungsschwachen Föhn gegen Kaution an der Rezeption leihen muss. Für’s Hotel gibts also nur bedingt Pluspunkte.

Nachmittags ankommen, Klimaanlage an, ein paar Minuten hinlegen und schlafen. Das Wetter schlaucht.

Und so stehen nun die Genter Feste auf dem Programm. Bisher habe ich noch nie etwas von diesem Volksfest gehört, aber innerhalb Belgiens immer wieder Empfehlungen dafür bekommen. Soweit ich das im Internet gelesen habe, seien die Genter Feste aber mit zwei Millionen Besuchern das zweitgrößte Volksfest Europas, dauern zehn Tage an und okkupieren die gesamte Innenstadt. Musik, Tanz, Theater, Kunst – alles dabei, und das ohne Eintritt. Ich bin gespannt.

Problem: ich muss erstmal zum Gelände, also zur inneren Innenstadt kommen. Google Maps meint 20 Minuten Fußweg, meine Faulheit meint „Auto“ – getreu dem Motto: Ist der Weg länger als das Auto, wird gefahren. Und genau das habe ich dann auch gemacht.

Nur muss man ersteinmal einen Parkplatz finden. Die Innenstadt ist logischerweise abgesperrt, die Parkzonen ringsherum fast vollständig für Anwohner reserviert. Ich stellte mich mit Warnblinker in eine Seitenstraße vor einen „Meat-Market“, um in meinem Navi nach Parkplätzen zu suchen, wurde aber durch ein Klopfen an der Scheibe davon abgehalten. Ein netter Herr in den Dreißigern teilte mir auf Englisch mit, dass er jetzt wegfährt und ich seine Parklücke gern nutzen könne. Ich bin von flämischer Freundlichkeit erneut begeistert.

Eingeparkt und ausgestiegen, immer dem Gehör nach – schon war ich mittendrin. In Deutschland meide ich Volksfeste. Schnapsleichen am Wegesrand, Kleinkriminelle, wenig Polizei, überteuerte Preise. Das trifft aber nach meinen Erfahrungen für die Genter Feste eher nicht zu:

Ich wurde zumindest heute nicht nennenswert mit Kurzzeitalkoholikern konfrontiert. Das ist für deutsche Verhältnisse eigenwillig. Die Polizeipräsenz ist dazu überaus hoch; an nahezu jeder Ecke stehen zwei Polizisten mit Warnweste. Ein Bier kostet etwa zwei Euro, nur die Preise für die Mahlzeit sind ähnlich gepfeffert wie das Fleisch, das ich im Brötchen hatte – ein Fünfer für ein Steak in Backware. Alles in allem fühlt man sich hier aber wohl, trotz relativ vieler Menschen. Das ist die Sorte Volksfest, zu der selbst notorische Club- und Feier-Verweigerer gerne gehen. Die Stimmung ist einfach gut.

Ich habe an diesem Abend unter anderem Rock, Metal, Folk, Techno, klassische Straßenmusik, Jazz und Rhythmustrommeln gehört – und keine Ahnung wie viele Tänzer und Darsteller gesehen. Eintritt kostet das alles nicht, und es ist überaus professionell.

Erheiterung gabs für die Techniker am FOH einer Bühne, die gleich eine Hängematte am Pult hatten. Der Humor gefällt mir.

Drei Stunden Genter Feste, und ich weiß, dass ich morgen wieder komme. Also wieder zurück ins ibis, eine weitere Nacht in Gent organisieren. Da war auch tatsächlich noch ein Zimmer frei, für 85 Euronen, unweit vom Zentrum. Gebucht, geduscht, geschlafen. Reicht für heute. Ich komme wieder.

Anmerkung: Heute gibt’s nur Handyfotos. Ich hatte keine Lust, die Kamera mitzunehmen. Morgen sieht das ganze dann anders aus.

Der übrigens langweilige Weg von heute, mit viel Autobahn:

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

© 2021 ungesund photographie | lucas garte

Impressum | Datenschutz