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wirkungsprovokation.

Lederfabrik C.

Am liebsten wäre es mir, irgendeinen spannenden, fesselnden und aufreißenden Bericht verfassen zu können – geht aber leider nicht, denn da war einfach nichts. Wir waren zu zweit mit dem Kleinwagen unterwegs, haben direkt davor geparkt, die zur Durchquerung vorgesehene Unterbrechung im Mauerwerk zur Geländebetretung genutzt und standen direkt vor den Motiven. Keine Hürden, keine Endgegnerkämpfe, kaum Koordinatenvorarbeit.

Um trotz dieser eher gesetzten Art und Weise des Zugangs den historischen Teil nicht zu kurz kommen zu lassen, begann ich mit der Recherche, doch die sollte ähnlich durchschnittsmäßige Erfolge bringen. Um 1900 errichtete der gute Herr Geschäftsführer am jetzigen Standort das markante Gebäude, da ihm an Standort numero uno ein Ausbau seines bisherigen Werkes – wenige Kilometer entfernt – untersagt worden war. Kaum gebaut, saß er auch schon mit Sekretärin, Kollegen und allen Mitarbeitern in seinem neu gebauten Komplex, da die erste Fabrik keine 5 Jahre nach Bau der hier abgelichteten Version nicht mehr den benötigten Größenverhältnissen entsprach. Mit der Zeit wuchs die Lederfabrik auch noch, und mit großen Glück blieb im zweiten Weltkrieg der Einzug als Rüstungsindustrie aus – die Geschichte wandelt sich bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht sonderlich spannend weiter.

Kaum sind die „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ das erste Mal öffentlichkeitswirksam in Erscheinung getreten, folgt auch schon die sozialistische Variante der Eigentumsübertragung: Vervolkseigentumisierung, aus GmbH mach VEB. Bis zum Anfang der 90er – man hörte im Westradio vermutlich noch Falco – liefs auch einigermaßen gut, nur nach der Wende gings dann abwärts. Ein Rettungsversuch durch Privatisierung bzw. Übernahme der Firma durch Belegschaftsmitglieder scheiterte; kurz bevor dann die Zeit der Spice Girls kam, ging die Firma in Insolvenz. Seitdem steht das Gebäude eher in der Gegend rum, als gebraucht zu werden – der Denkmalschutz sorgt hier dann auch in letzten Zügen dafür, dass nichts damit passiert.

Die Dorfjugend hat, wie unschwer zu erkennen, das Gelände für sich entdeckt.

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