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Serie: Roadtrip Belgien

Kilometer 1603: Oostende

Aus dem viel zu warmen Hotel herausgequält musste ich leider feststellen, dass es auch am nächsten Morgen weiterhin viel zu warm ist. In Deutschland kursieren auch die ersten Tipps, was man bei Sommerhitze tun soll – angeblich wohl die Klimaanlage nicht direkt auf den Körper richten und nicht mehr als 8 Grad Differenz zur Außenluft einstellen.

Mit allen Risiken kann ich leben, und habe auf einmal angenehme 22,5 Grad in meinem Kraftfahrzeug. Ideale Innenvoraussetzungen, um nach dem kurzen Umweg über Gent – ich wollte eigentlich im Uhrzeigersinn fahren, aber die Feste fielen dazwischen – an die Küste zu fahren.

Küste und Belgien wurde mir immer wieder mit Oostende beschrieben. Da mir im Prinzip relativ egal war, wohin ich fahre, solange ich im kühlen Auto sitze, nehme ich also den Weg von Gent nach Oostende, trinke reichlich Wasser und esse Fertigwaffeln nebenbei. Das habe ich ja schon hinlänglich geübt.

Unterwegs durfte ich dann „BORNWILD“ als Wunschkennzeichen betrachten; zielstrebig ging es nach Oostende in die Stadt. Parken ist dort absolut aussichtslos – auch gegen Geld geht dort nichts. Bereits dieser Fakt deutet auf Überbevölkerung hin – ganz abgesehen vom dichten Verkehr. Sonne, Strand und Erholung sehen eigentlich anders aus. Nachdem mir dann auch „HAPPY“ als Kennzeichen an einem Tesla demonstriert wurde, fand ich in „Hidden Belgium“ den entscheidenden Tipp: nach „Randparking“ suchen. Das wären Parkplätze am Stadtrand, bei denen man sich gleich noch ein Fahrrad leihen könnte.

Tatsächlich finde ich einen Wegweiser dafür, folge ihm brav, verliere ihn, lande auf einem Parkplatz, durchfahre ihn vollständig und komme in einem Parkhaus raus. Wohlgemerkt einem Parkhaus, dass nur sehr verwinkelt durch einen Parkplatz hindurch erreichbar ist. Was es nicht alles gibt.

Es ist das Bahnhofsparkhaus, eigentlich gar nicht so weit von der Stadt entfernt, sondern ziemlich mittendrin. Abgesehen von Bargeldablehnung durchaus sympathisch. Dennoch hat es ein Belgier geschafft, einen kompletten Weg zuzuparken, indem er sich direkt hinter ein anderes Auto – Stoßstange an Stoßstange – gestellt hat. Man muss nicht alles verstehen.

Raus aus dem Parkhaus, über den Bahnhof ins viel zu heiße Oostende. Prinzipiell bin ich dort einfach nur umhergelaufen, habe zwischendrin eine dieser Fanta-Dosen nebst Fast-Food-Teller geleert und Fotos geschossen. In der Stadt war leider kaum Wind zu spüren – was angesichts der Tatsache, dass bis an den Strand heran Hochhäuser stehen, kein Wunder ist. Wenn man dahingehend von Bauverboten á la Baabe verwöhnt ist, wird Oostende keine Freude darstellen. Der Strand ist voll, die Promenade überlaufen, die Hochhäuser direkt sichtbar. Abschirmende Dünen? Gibt es nicht. Mir ist die dennoch große Begeisterung für diesen Badeort schwer begreiflich; ich habe nach wenigen Stunden mein Auto aufgesucht. Übernachten möchte ich hier nicht – und so werde ich nach Brügge fahren, denn dort habe ich bereits eine Unterkunft – mal wieder über Airbnb.

Je touristischer ein Ort erschlossen ist, desto weniger habe ich ein Interesse an ihm. Schlussendlich ist Tourismus meist eine Fassade, die nicht unbedingt widerspiegelt, wie das Land wirklich ist – daher freue ich mich auf die nächste Unterkunft, bei einem Einheimischen Brüggener mit Deutschkenntnissen. Jetzt folgt eben ersteinmal Städtetourismus, aber dann geht’s sicher wieder in die Kleinstädte. Ist angenehmer da.

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